Winterschnitt für den Wein

Eine der letzten Obstsorten, die Du im Jahr ernten kannst, sind die Trauben. Den ganzen Sommer über hast Du Deine Reben gehegt und gepflegt, zugesehen, dass der Standort ideal und somit sonnig ist, damit die Trauben schön süß werden. Die Erntezeit variiert von Sorte zu Sorte bis September, doch ganz gleich ob Muskattraube, edel oder wild, eins haben sie alle gemein: Sie brauchen einen Winterschnitt.


Wann darf ich mit dem Winterschnitt beginnen?

Im Allgemeinen wird der Winterschnitt im Januar gemacht. Schließlich kommt der Eiswein ja auch von der nach dem ersten Frost geernteten Weintraube, sodass erst danach das Schneiden begonnen werden kann.

Erfahrungsgemäß schafft man es irgendwie meist erst im Februar, wenngleich Du es Dir für Januar vornimmst, was letztendlich nicht schadet.

Auch Winzer unterscheiden zwischen dem Schneiden und Verschneiden beim Wein. Nach dem Laubfall wird geschnitten, mit der Gartenschere. Verschnitten wird im Spätwinter bis Vorfrühling. Hier erkennst Du nämlich, ob die verholzten Pflanzenteile den Frost gut überstanden haben oder Du entsprechend doch etwas mehr verschneiden musst, als eventuell zuvor gedacht. Du erkennst ganz einfach in diesem kahlen Zustand besser, was das Stammgerüst des Weinstockes ist und welche Triebe weg müssen.

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Die Faustregel lautet: Bei noch weniger als minus 5 Grad Celsius solltest Du nicht schneiden, dann warte lieber noch ein wenig, wenn es sein muss, auch bis März.

Grobe Schnitte, wie ganze Rebschenkel die Du wegschneidest, kannst Du ruhig im Dezember durchführen, denn hier verkorkt die Wunde dann und blutet im Frühjahr nicht mehr so stark.

Wie verschneide ich hier?

Zunächst einmal ist Folgendes wichtig: Wenn Du beispielsweise im Februar den Winterschnitt anstrebst, wird die Traube „bluten“, ähnlich wie Du es vom Kirschbaum kennst, der verharzt wird an den Schnittflächen.

Bei den Trauben tritt kein Harz aus, aber eben der zuckerhaltige Pflanzensaft. Oft entstehen richtige kleine Rinnsale am Trieb, die dann die neuen Fruchtknospen geradezu ertränken. Um hier sozusagen die Abtropfrichtung zu definieren, solltest Du beim Schneiden schräg vorgehen, damit der Saft so abtropft, wie Du es möchtest.

Aber wenn ich im Winter verschneide, macht der Frost da nichts kaputt?

Vorteil des Blutens ist, dass der Saft beinahe gallertartig wird und somit ein natürliches Frostschutzmittel darstellt, da die frischen Schnittstellen so nicht von wohlmöglich spätem Frost überrascht werden.

Der gallertartige Saft wird dann einfach eintrocknen, sodass Du Dich darum nicht weiter kümmern musst.

Wie bringe ich Form in den Stock?

Du erkennst im Winter ganz einfach ein Grundgerüst, da das Blattwerk Deine Sicht nicht stört.

Du erkennst das Fruchtholz, den dicksten hölzernen Pflanzenteil also, an dem wohlmöglich auch bisher bereits Früchte wuchsen. Das Holz, was auf Dich wirkt, als könne es kräftig werden im Folgejahr nennt man Ersatzholz, wo später Früchte kommen sollen. Und das Stammholz ist fruchtlos, es dient nur zum Aufbau des Stocks.

Zum Schnitt selbst ist zu sagen, dass je Quadratmeter des Stocks nicht mehr als 20 Augen stehen bleiben sollten, da dort je 2 Trauben zu je 500 Gramm tragen können. Das ergibt bei einem 10 qm großen Stock etwa 30 Kilogramm Trauben, die es erst einmal zu verarbeiten gilt.

Fazit: Nur Mut! Der am häufigsten gemachte Fehler ist, dass zu wenig verschnitten wird! Je gesünder verschnitten wird, desto ertragreicher wird einst Deine Ernte ausfallen.

Ich habe zu viel Ernte, was mache ich mit all den Trauben?

Nun hast Du zu Anfang so lange Geduld aufweisen müssen und wirklich viel gepflegt und verschnitten und gefühlt eine Ewigkeit auf die erste Ernte warten müssen und nun das – so viele Trauben hattest Du nicht erwartet?

Zunächst einmal freuen sich Freunde und Nachbarn immer über ein solch frisches Geschenk, doch auch einen alten Weinballon findet man noch auf Flohmärkten. Auch Gelee kannst Du herstellen. Ich kann auch empfehlen, eine Marmelade einzukochen davon (mit Limette schmeckt das herrlich sommerlich).

Wenn Du nicht dazu kommst, Deine Weintrauben gleich frisch zu verzehren und Sie auch nicht auf eine Torte legen möchtest oder Ähnliches, kannst Du sie auch ungewaschen in einer Plastiktüte in den Kühlschrank legen, wo sie sich etwa eine Woche halten. Zum Verzehr solltest Du sie jedoch bitte etwa eine halbe Stunde zuvor aus dem Kühlschrank nehmen, da sie ihr volles Aroma erst bei Raumtemperatur entwickeln.