Von der Pieke auf

Zufälligerweise hatte ich dazu die erfrischende Gelegenheit, in einer sachsen-anhaltinischen Grundschule zusehen zu dürfen, wie die 2. Und 3. Klassen vielfältige, kleine Saatbecher pflegen und hegen. Die Idee dazu hatte die Lehrerin des Faches Sachunterricht, Frau F****. Mit Begeisterung traf ich bereits morgens um 7:15 Uhr im Land der Frühaufsteher auf viele junge Schüler und Schülerinnen, die emsig mit Gießkannen durch das Klassenzimmer der Saalestadt Halle unterwegs gewesen sind. Hier wurde neugierig geguckt, gegossen und alles ordentlich im Fensterbrett des Klassenraumes in die ersten Sonnenstrahlen geschoben. Zu meiner Zeit wurde erst deutlich später, im Schulgarten, so etwas begonnen, wie Beetpflege. Mir hat es derart gut gefallen, wie begeisterungsfähig die „kurzen“ Neugärtner ans Werk gingen, dass ich euch das keinesfalls vorenthalten möchte. Lasst euch anstecken.

Welchen pädagogischen Nutzen verspricht sich die Lehrerin davon?

Zum einen lockert so eine Übung natürlich den Unterricht deutlich auf. Kinder arbeiten gern praktisch und freuen sich auf die Ergebnisse ihrer Arbeit. Am Ende kann man Kresse, Petersilie und Schnittlauch auch noch essen.

Zuhause wird sowas sicherlich nicht mehr so oft gemacht. Es wurde immer mehr zur Seltenheit, dass Eltern mit den Kindern gemeinsam beispielsweise kleine Tomatenpflänzchen ziehen. Oft fehlt der Platz, die Zeit oder die Idee. Umso aufregender finden die Sprösslinge es dann, in der Schule zu säen.

Auch bringt das Ganze ein ganz anderes Bewusstsein für zum Beispiel gesunde Ernährung, Umweltschutz und darüber hinaus ist der Gedanke an den Klimawandel hierbei nicht fern. Wichtig ist jedoch primär, dass die Kinder sich um ihr zartes Pflänzchen selbst bemühen müssen, denn ohne Pflege geht es nun mal nicht. Dabei werden viele Fragen gestellt. Die Grundbausteine der Photosynthese werden hier erkannt und der Gedanke, eben nicht immer nur schnell zum Milchschnitte zu greifen, wenn man Pause hat.

Wie passt die Kräutersaat in das Fach Sachunterricht?

Das Unterrichtsfach an sich umfasst ein recht mannigfaltiges Gebiet, aber auch das Saatgut passt hier vollkommen ins Schema. Neben Themen wie Körper, Gesundheit und Krankheiten, Ernährung und Pflanzen wird hier auch Wissen in den Themengebieten Wetter, Tiere, Zeit (Uhrzeit & Jahreszeiten) und Verkehr vermittelt. Da macht es gerade Spaß, zwischendurch auch mal vom Buch auf zu blicken und stattdessen frische Kresse zu ziehen.

Die Themengebiete „Ernährung“ und „Pflanzen“ sind unmittelbar miteinander verwachsen, könnte man sagen. Diese Phase bei Kindern, in der sie unheimlich neugierig sind und Tiere und Natur spannend finden, kommt in dieser Intensität niemals mehr zurück. Daher finde ich es umso schöner, neben meiner generellen Affinität für Grünes und kleine Menschen, dass das hier im Unterricht so eingebracht wird.

Und was meinen die Kids dazu?

Die wenigsten finden das schlicht, schnöde oder gar langweilig. Ich war tatsächlich überrascht, dass sich beinahe um die Gießkanne gestritten worden ist. Neugierig hoben die kleinen Finger die Deckel der Mini-Gewächshäuser an, um einen Blick zu erhaschen. Einige Kinder weisen echte Naturverbundenheit auf, was ihnen bis dahin womöglich noch gar nicht derart bewusst gewesen ist.

Und was lernen wir „Großen“ daraus?

Dass man nicht „zu klein“ ist, um mitmachen zu können! Auch die kleinen Menschen können sehr wohl mit einer Gießkanne umgehen und erkennen die kleinen Wunder dieser Welt viel leichter, als wir Großen. Daraus können wir wahrlich lernen. Wir sollten nicht immer nur in die Knie gehen, um Unkraut aus dem Boden zu entfernen, sondern auch mal innehalten und genießen.

Wenn Du das vergessen oder verlernt haben solltest, kann ich nur empfehlen, sich mal damit zu befassen, was Kinder spannend finden – und vor allem, warum. Ich hoffe, ich konnte auch Dich anstecken.

Foto © by me, mit Dank für die Fotografie-Erlaubnis an Frau F**** & Kids

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